| Autorenecke |
| Wenn der Glaube schwerfällt |
| 17.10.2026 - 13:37 |
Es gibt in meinem Leben Momente, in denen es sich anfühlt, als wäre Gott nicht da und ich beginne zu zweifeln.
Bevor ich zu Gott gefunden habe, dachte ich, wenn er sich mir nur einmal offenbart, dann wäre alles in trockenen Tüchern. Das Leben würde von Leichtigkeit getragen sein, ich würde nur noch in Liebe leben und für alle Menschen eine große Hilfe sein.
Und tatsächlich geschah dieses Wunder. Gott offenbarte sich mir, und ich fühlte mich frei, stark und voller Liebe. Ich glaubte, meine Sorgen und Ängste für immer abgegeben zu haben. Doch dieser Zustand hielt leider nicht an. Das Wunder begann zu verblassen, und all meine Unzulänglichkeiten waren wieder da. Ich war wieder die kleine Susann mit ihren Schwächen und Fehlern. Das machte mich zunächst tief traurig.
Heute weiß ich, dass ich nicht vollkommen sein muss. Ich bin ein Mensch mit Fehlern, Ängsten und Schwächen. Gerade deshalb brauche ich die Erlösung durch meinen Herrn Jesus Christus und seine Gnade. Ich darf mit allem, was mich ausmacht, zu ihm kommen.
Ich glaube, dass Gott sich nicht von mir entfernt, sondern dass ich es bin, die sich manchmal von ihm entfernt. Als Kind war mir seine Nähe noch selbstverständlicher. Vielleicht habe ich mich mit der Zeit zu sehr auf meinen eigenen Weg konzentriert und dabei manchmal vergessen, wie wichtig es ist, die Verbindung zu ihm zu halten.
Manchmal stelle ich mir vor, wie traurig Gott sein muss, wenn er sieht, dass ich Wege einschlage, die mir nicht guttun, und er mich aufgrund meines freien Willens nicht davor bewahren kann. Vielleicht wünscht er sich, dass ich mich ihm wieder zuwende und auf ihn zulaufe. Dabei darf ich darauf vertrauen, dass er mich bedingungslos liebt, so wie ich bin.
Wie schwer es sein kann, an Gott festzuhalten, wenn das Leben plötzlich dunkel wird, habe ich selbst erlebt.
Als mein Mann im August 2005 völlig unerwartet einen Herzinfarkt erlitt, war ich so verzweifelt, dass ich mit Gott haderte. Ich betete, flehte ihn an, schrie meine Verzweiflung heraus und versuchte sogar, einen Handel mit ihm einzugehen. Wenn man um einen geliebten Menschen bangt, kann die Verzweiflung einen Dinge tun lassen, die man sich vorher niemals hätte vorstellen können.
Unser Leben veränderte sich von einem Tag auf den anderen. Es folgten schwere Zeiten für meinen Mann und für mich. Doch wenn ich heute zurückblicke, weiß ich: Gott hat mich auch damals nicht allein gelassen. Er hat nicht alle Schwierigkeiten aus meinem Weg geräumt, aber ich durfte erfahren, dass er mich hindurchgetragen hat. Schritt für Schritt, auch durch die dunkelsten Stunden.
Wenn in meinem Leben alles gut läuft, fällt es mir leicht, an Gott zu glauben und ihm zu danken. Doch wenn ich leide, Angst habe oder nicht mehr weiterweiß, wird mein Glaube auf eine harte Probe gestellt. Dann gibt es Momente, in denen ich seine Nähe nicht spüre und mich frage, wo er gerade ist.
Deshalb lese ich manchmal mein eigenes Glaubenszeugnis „Von der Finsternis ins Licht“, um mich daran zu erinnern, wie sich Gott mir offenbart hat und wie wunderbar sich das damals angefühlt hat. Es hilft mir, mich wieder auf das zu besinnen, was ich mit ihm erlebt habe, gerade dann, wenn meine Zweifel überhandnehmen.
Was mir dabei besonders am Herzen liegt, ist der liebevolle Umgang miteinander. Ich kann anderen Menschen ihre Sorgen und ihren Schmerz nicht abnehmen und habe auch nicht auf alles eine Antwort. Aber ich kann zuhören, Trost schenken, Mut machen und jemandem das Gefühl geben, nicht allein zu sein.
Und ich selbst habe das große Glück, genau den Menschen an meiner Seite zu haben, der mich versteht, mich auffängt, liebt und mir Halt gibt. Ich bin ja der Meinung, dass mein Mann mir von Gott geschickt worden ist – oder er zumindest seine Finger mit im Spiel hatte. ❤️
Ich glaube, dass es wichtig ist, ehrlich mit seinen Gefühlen umzugehen und sich nicht dafür zu schämen, wenn der Glaube einmal schwerfällt. Auch ich bin nicht immer stark, habe Zweifel und kenne dunkle Momente. Ich muss niemandem etwas beweisen und auch vor Gott nicht so tun, als wäre ich stärker, als ich tatsächlich bin.
Ich möchte lernen, auch an den Tagen zu vertrauen, an denen ich Gottes Nähe nicht spüre. Denn ich habe erfahren, dass er mich schon einmal durch schwere Zeiten getragen hat. Und daran möchte ich mich festhalten.
In Liebe, Susann ❤️ |
Osponde |
gedruckt am 17.10.2026 - 17:10 |
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