| Autorenecke |
| Nach Hause kommen |
| 18.10.2026 - 10:46 |
Welcher Weg ist der Richtige?
Es war an einem Samstag bei wunderschönem Wetter. Herbert und ich waren mit dem Fahrrad an der Lahn entlang unterwegs. Endlich einmal wieder, nach so langer Zeit! Seit seinem Herzinfarkt waren wir nicht mehr gemeinsam Rad gefahren.
Nach einer Weile sagte ich zu ihm: „Weißt du, Herbert, stell dir einmal vor, dieser Weg, den wir hier fahren, wäre der Weg zu Gott. Wir würden praktisch nach Hause fahren – zu unserem Vater, der uns freudig empfängt.“
Der Gedanke daran war einfach phantastisch. Ich war gerührt, fühlte mich frei, glücklich und voller Freude zugleich.
"Wenn es doch nur so einfach wäre", dachte ich bei mir. "Ein Weg, genau gekennzeichnet, und man bräuchte ihm nur zu folgen. Keine Zweifel, kein Klagen kämen über meine Lippen. Es wäre mir ganz egal, ob es Stunden, Tage, Monate oder Jahre dauern würde, denn ich wäre ja auf dem richtigen Weg."
So fuhren wir eine ganze Weile weiter, und ich spürte die Kraft, die von diesen Gedanken ausging. Es war ein wunderbares Gefühl, sich vorzustellen, dass jeder Meter, den wir zurücklegten, uns unserem himmlischen Vater ein Stück näherbringen würde.
Nach einer langen Weile, immer noch in unsere Gedanken versunken, bemerkten wir, dass uns einige Radfahrer entgegenkamen.
Da sagte ich: „Guck mal, die fahren genau in die entgegengesetzte Richtung. Welcher Weg ist denn nun der richtige?“
Mit diesem einen Satz hatte ich mir alles versaut. Ich spürte, wie die Kraft mich wieder verließ.
Plötzlich war sie wieder da, die Unsicherheit. Der Zweifel hatte sich eingeschlichen und das schöne Gefühl verdrängt. Eben noch war alles so klar und einfach gewesen, und nun stand wieder diese Frage im Raum: Woher sollte ich wissen, ob ich wirklich auf dem richtigen Weg war?
So bleibt mir die Hoffnung, dass mein Vater weiß, wo ich gerade bin. |
Susann |
gedruckt am 18.10.2026 - 17:01 |
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