| Autorenecke |
| Ein Kind verlieren, das noch lebt - Ein Abschied ohne Ende |
| 27.10.2026 - 12:54 |
Es gibt Verluste, für die wir keine Beerdigung haben. Keine Blumen, die wir niederlegen können, keinen Ort, an dem wir Abschied nehmen, und keinen klaren Moment, an dem wir begreifen, dass sich etwas in unserem Leben grundlegend verändert hat.
Besonders schwer kann das für eine Mutter sein, deren Kind sich von ihr abgewandt hat. Denn mit einem Kind verbinden sich so viele Erinnerungen. Da sind die Jahre, in denen man es aufwachsen sieht, seine kleinen Eigenheiten, vertraute Gesten und gemeinsame Erlebnisse. Da sind Hoffnungen, Vorstellungen und eine Liebe, die vielleicht schon da war, lange bevor man das Gesicht dieses Kindes zum ersten Mal sehen durfte.
Und dann kommt ein Punkt, an dem die Wege auseinandergehen.
Vielleicht gab es Verletzungen. Vielleicht wurden Dinge gesagt oder getan, die tiefe Spuren hinterlassen haben. Vielleicht haben beide Seiten ihre eigene Geschichte darüber, was geschehen ist. Und vielleicht bleiben Fragen, auf die man niemals eine Antwort erhalten wird.
Ich empfinde es als besonders schwer, dass die Liebe noch da sein kann, während die Nähe, nach der ich mich sehne, nicht mehr möglich ist. Die Erinnerungen bleiben, die Sehnsucht bleibt. Und irgendwie versuche ich, jeden neuen Tag ein wenig mehr zu lernen, mit dieser Leere zu leben, ohne mich selbst dafür anzuklagen.
Ich kenne nicht alle Gedanken, Ängste und Verletzungen, die diese Beziehung geprägt haben. Ich kann nur versuchen, meinen eigenen Weg damit zu finden.
Und dann kommt für mich Gott ins Spiel. Ich stelle mir vor, dass seine Liebe größer ist als das, was wir voneinander wissen und verstehen können. Vielleicht sieht er nicht nur unsere Worte und Handlungen, sondern auch die Angst dahinter, unsere Hilflosigkeit, unsere Sehnsucht und die Stellen in uns, an denen wir selbst noch Heilung brauchen.
Ich lebe damit, einen geliebten Menschen zu vermissen und ihm dennoch seinen eigenen Weg zu lassen. Ich wünsche mir Nähe und versuche gleichzeitig zu respektieren, dass sie nicht gewollt ist. Das ist nicht immer leicht. Aber trotz allem ist meine Liebe da.
Ich vertraue darauf, dass Gott auch dort bei mir ist, wo ich keine Antworten finde. Und ich wünsche jedem Menschen, der einen solchen Verlust trägt, dass er mit der Zeit wieder Frieden in sich finden kann. |
Osponde |
gedruckt am 27.10.2026 - 21:01 |
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