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Autorenecke   Ich bin nicht meine Fehler
30.10.2026 von Dienende

Ich bin nicht meine Fehler

Es gibt Menschen, die können mit den Fehlern anderer erstaunlich verständnisvoll umgehen. Bei sich selbst sind sie dagegen unerbittlich. Ein unbedachter Satz, eine falsche Reaktion, ein Streit oder ein Moment, in dem sie die Kontrolle verlieren, reicht aus, um sich selbst infrage zu stellen.

Ich kenne das sehr gut von mir. Manchmal genügt eine schwierige Situation, und in meinem Kopf wird aus einem Fehler gleich ein Urteil über mich als Menschen. Dann höre ich nur noch die Vorwürfe.

Und es geht noch weiter. Wenn ich erst einmal in dieser Selbstverurteilung gefangen bin, wirkt sich das auch auf meinen Umgang mit anderen aus. Gerade die Menschen, die mir am nächsten stehen, bekommen dann etwas ab, das dort überhaupt nichts zu suchen hat. Ein schnippischer, verletzender oder ungerechter Satz ist schnell ausgesprochen. Innerlich nagt es an mir, und eine Situation, die eben noch schön war, bekommt plötzlich einen dunklen Schatten.

Guido würde jetzt sagen: „Das tut nichts für Dich.“ Ich hoffe, ihr wisst, welchen Guido ich meine.

Und er hat recht. Es tut tatsächlich nichts für mich. Im Gegenteil: Ich mache mir das Leben schwer und trage meine innere Unzufriedenheit auch noch nach außen.

Jesus sagt: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (Markus 12,31 – Das Gebot der Nächstenliebe). Lange habe ich diesen Satz vor allem als Aufforderung verstanden, anderen Menschen liebevoll zu begegnen. Aber darin steckt für mich noch etwas anderes: Die Liebe, die ich anderen entgegenbringen soll, darf bei mir selbst nicht aufhören, sondern sollte bei mir beginnen. Wie soll ich meinem Nächsten mit Verständnis begegnen, wenn ich mir selbst keines zugestehe?

Jesus spricht auch davon, dass wir mit dem Maß gemessen werden, mit dem wir selbst messen (Matthäus 7,2 – Der Maßstab, mit dem wir messen; Lukas 6,38 – Geben und Empfangen). Dabei geht es um unseren Umgang mit anderen Menschen und darum, wie wir über sie urteilen. Für mich gehört beides zusammen. Wie ich über mich selbst denke, beeinflusst, wie ich anderen begegne. Wer sich selbst ständig verurteilt, trägt diese Strenge oft auch nach außen. Wer dagegen lernt, sich selbst liebevoller zu begegnen, gerade dann, wenn es eng wird, kann auch anderen ihre Unvollkommenheit leichter zugestehen.

Das ist für mich ein Wechselspiel. Wenn ich beginne, diesen Kreislauf zu verändern, gebe ich liebevollere Gedanken nach außen weiter. Gleichzeitig verändert sich auch mein Blick auf die Menschen um mich herum. Das ist doch ein Gewinn auf beiden Seiten, gewissermaßen zwei Fliegen mit einer Klappe.

Nun stelle ich mir vor, was geschehen könnte, wenn jeder Mensch diesen Gedanken ein Stück weit in sein Leben ließe. Wenn jeder sich selbst liebevoller begegnete und diese Liebe an seinen Nächsten weitergäbe, würde sie sich von Mensch zu Mensch fortsetzen und unser gemeinsames Denken und Handeln prägen.

Ich stelle mir vor, dass wir auf diese Weise sogar das mentale Kollektiv mit „guter Nahrung“ füttern. Jeder liebevolle Gedanke, jedes verständnisvolle Wort und jede freundliche Handlung würde etwas dazu beitragen. So könnte sich auch die gemeinsame Gesinnung verändern, hin zu mehr Verständnis, Mitgefühl und Liebe. Auf diese Weise könnten wir uns Schritt für Schritt dem annähern, was ich unter Gottes Liebe verstehe. Jeder Einzelne wäre ein Teil dieser Veränderung, und gemeinsam könnten wir dem Gottesgedanken ein ganzes Stück näherkommen.

Jesus sagt auch: „Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen?“ (Matthäus 5,13). Für mich bedeutet das: Jeder Einzelne kann etwas in diese Welt einbringen. Und vielleicht beginnt es tatsächlich schon damit, wie wir über uns selbst und andere denken.

Ich bin nicht meine Fehler, sondern ein von Gott geschaffenes Wesen. Und Gott macht keine Fehler.


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