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Autorenecke   Freude - Eine Herausforderung
11.09.2006 von Osponde

Freude ist nicht nur ein Geschenk, das wir von Gott empfangen dürfen.

Gleichzeitig ist Freude auch eine Herausforderung. Freude fällt nicht nur vom Himmel, sondern hat auch etwas mit unseren Denkweisen, Einstellungen und mit unserer Lebensführung zu tun. So fordert Paulus im Philipperbrief seine Leser mehrmals auf, sich zu freuen.

Er schreibt in Kapitel 4, 4: "Freut euch im Herrn allezeit! Wieder will ich sagen: Freut euch!"

Als Paulus diese Zeilen schrieb, saß er im Gefängnis und hätte eigentlich Grund zur Klage gehabt. Wie war es ihm möglich, in dieser Situation von der Freude zu schreiben? Wenn wir diesen Vers genauer anschauen, entdecken wir die Antwort. Er sagte: Freut euch im Herrn.

Er der Gefangene, der Geschlagene, der Entrechtete, der allen Grund zum Jammern gehabt hätte, konnte sich freuen im Herrn. Hier liegt ein Geheimnis verborgen:
Im Kontakt mit Gott, in der Gemeinschaft mit ihm, beschenkt mit dem Heiligen Geist, erschließt sich eine neue Dimension: Freude trotz Traurigkeit, Ängsten und Bedrohung.

Wie ist das möglich? Wir leben in einer Zeit, in der immer mehr Menschen von Angst gequält werden. Die Zahl der an Depression leidenden Menschen nimmt ständig zu. Unsere Welt scheint ständig bedrohlicher, unruhiger und angsteinflößender zu werden. Ehen zerbrechen, verwundete Herzen sind die Folge, Arbeitsplätze gehen verloren, Familien geraten dadurch in Not, Angst und Unsicherheit greifen um sich, der Mensch fühlt sich bedroht.

Freude, wie soll man sich freuen können, wenn man Schmerz und Einsamkeit erlebt, wenn gute Freunde einen verlassen, wenn das Leben bedroht ist durch Krankheit? Wie soll man sich freuen können, wenn man den Eindruck hat, bei dem, was man leisten sollte, nicht mithalten zu können?

"Freut euch allezeit! Wieder will ich sagen: Freut euch." Klingt das nicht wie Spott und Hohn?

Ich denke da an Abraham. Hatte ihm Gott nicht einen Sohn, ja mehr noch, Nachkommenschaft so zahlreich wie der Sand am Meer und wie die Sterne versprochen? Hatte er nicht im Vertrauen auf diesen Gott seine Heimat und alles bisher Vertraute verlassen? Und dann: Jahrzehnte vergingen. Sarah war schon in die Wechseljahre gekommen und im Laufe der Zeit bitter geworden. Die Erfüllung der Verheißung schien unmöglich.

Immer wieder erneuerte Gott jedoch sein Versprechen gegenüber Abraham. Und Abraham vertraute diesem Gott jedes Mal neu. Er hätte auch verbittert zum Himmel schauen können, um sich über die Anzahl der Sterne zu ärgern: So zahlreich soll meine Nachkommenschaft werden, das ist ja jetzt unmöglich, ich verstehe Gott nicht, warum er nicht schon längst sein Versprechen eingelöst und mir Kinder geschenkt hat. Ich kann die Sterne schon gar nicht mehr anschauen. So zahlreich sollte doch meine Nachkommenschaft werden. Ich kann nicht verstehen, warum Gott einem zuerst etwas verspricht und einen dann hängen lässt. Abraham hätte genug Grund gehabt, so zu reagieren, aber er vertraute Gott weiterhin.

Bei Josef geschieht Ähnliches: Er, der im Traum von Gott so klar bestätigt wurde, wird als Sklave von seinen Brüdern verkauft und landet unschuldig als Sittlichkeitsverbrecher im Gefängnis. Aber Gott macht seine Verheißungen wahr, bei den Menschen, die ihm weiterhin vertrauen. Gott will uns Freude geben und fordert uns auf, uns zu freuen. Ich denke, wir alle haben schon die Erfahrung gemacht, dass das gar nicht so leicht ist.

Ein Beispiel dafür ist Hiob. Er klagte Gott wegen seines Elends und seiner Not an. Auch dafür hatte Gott Verständnis und begegnete ihm.

Liebe Leserin, lieber Leser, vielleicht gehen auch Sie durch eine Lebensphase, in der es dunkel ist und in der Sie sich nicht mehr freuen können. Dann dürfen Sie Ihre Not, Ihren Schmerz vielleicht auch Ihren Ärger gegenüber Gott, so wie Hiob es ja auch tat, zum Ausdruck bringen. Aber verschließen sie nicht ihr Herz vor ihm, denn er will sie erreichen! Hiob machte die Erfahrung, dass die Begegnung mit Gott ihm neue Orientierung gab und die Freude in seinem Leben zurückkehrte.
Es ist so wichtig, dass wir uns der Herausforderung stellen, anstatt der Verzweiflung oder der Verzagtheit das letzte Wort zu lassen. Wir können und dürfen uns orientieren an Gottes Wort. Dort heißt es: "Lobe den Herrn meine Seele und vergiss nicht was er dir Gutes getan hat."

Gerade in schweren Zeiten scheint uns dies unmöglich zu sein. Bewahren kann uns jedoch, wenn wir folgendes wissen: Ich habe einen Vater im Himmel und dem darf ich mich anvertrauen, weil ich weiß:
Er will nur das Beste für mich. Er ist auch in schweren Zeiten bei mir und ich darf ihm mein Herz ausschütten. Er will mich trösten und mir nahe sein. Gott rechnete es Abraham trotz vielem Verzagen ganz hoch an, dass er ihm immer wieder vertraute.

Gehen wir das Wagnis und die Herausforderung ein, unser Herz gerade in Leid und Not zu öffnen, und so immer wieder neu beschenkt zu werden. Raffen wir uns auf, so wie Paulus uns auffordert, uns im Herrn zu freuen, weil er größer und stärker als alles Leid ist, um so die Erfahrung zu machen:
Es gibt diese andere Dimension in uns:
- Gottes Trost ist das Licht in Dunkelheit
- Der Heilige Geist in mir bewirkt Freude und Hoffnung unabhängig von Umständen
So sind wir beschenkt mit der Freude Gottes und gleichzeitig herausgefordert, sie uns nicht rauben zu lassen. Dazu gebe der Herr uns allen seine Gnade.





Ein Artikel von www.glaube.de
Textbearbeitung: Abschriften der Manuskripte von Kassetten für Glaube.de: Ulrike Hahn mit dem Verlagsteam des De `Ignis Wohnheimes


Eingereicht vom Herausgeber/Autor:
Winfried Hahn, Heimleiter, De`Ignis Wohnheimes für psychisch kranke Menschen (Herausgeber : Verlag Stimme des Glaubens)






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